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Wenn der Wald spricht 1 - Kapitel 18

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Wenn der Wald spricht... 1

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2011)


Hörbuch 2011. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

18. Kapitel: Klarheit erlangen

Mach dazu, wann immer es die Zeit zulässt, einen Spaziergang oder ausgedehnte Wanderungen in der Natur. Dort bist du frei von sämtlichen Einflüssen negativer Kräfte, die dich nur allzu oft in deiner gewohnten Umgebung beeinflussen und deinen Blick auf dich selbst trüben. Du brauchst regelmäßig Abstand von deinen alltäglichen Dingen, um eine klare Sicht zu bekommen. Auch solltest du dich hin und wieder alleine auf den Weg machen, denn nur in Gesellschaft mit dir selbst kannst du dich als das Wesen begreifen, das du wirklich bist und sein willst – und nicht in irgendeiner Rolle. Nur so erblickst du deinen Wesensbaum mit all seinen alten Blättern und kannst sie von ihm abschütteln, auf dass neue Blätter und Triebe wachsen mögen. Wir Bäume können im Stehen wachsen. Ihr Menschen müsst dafür gehen. Sobald du dich zu Fuß auf den Weg machst, lässt du Schritt für Schritt dein Heim und alles, was dich damit verbindet, zurück. Du bist eine gewisse Zeit lang nicht mehr für andere und ihre Erwartungen da, sondern nur für dich. Du lässt das, was dich belastet, aber auch das, was dir wichtig zu sein scheint, für eine Weile los. Dein verspannter Körper entkrampft und du gehst dich gedanklich frei. Jedes Mal, wenn du mit deinen Füßen die Erde berührst, gibst du einen kleinen Teil deines angestauten Ballasts ab und nimmst die heilende Kraft der Natur in dich auf. Die Bewegung stimuliert jede Zelle deines Körpers und die Umgebung mit all ihren Eindrücken deine Sinne. All das macht dich offener für neue Impulse, die vorher deinen festgefahrenen Geist nicht erreichen konnten. Und so beschreitest du nicht nur einen äußeren, sondern auch einen inneren Weg.

Mach dir in der Natur ganz bewusst die Elemente zu nutze. Du begegnest ihnen überall. Sie sind unerschöpflich, ursprünglich und damit lebendig - und sie kosten nichts. Das Wasser reinigt dich innen wie außen, indem es negative Energien und Gedanken fortwäscht. Deswegen fühlt ihr euch nach einem Bad oder selbst nach dem Waschen des Gesichts oft ein wenig wie neugeboren. Die Erde bringt dich zur Ruhe, wenn du innerlich aufgewühlt bist und nicht mehr weißt, wo dir der Kopf steht. Sie lässt dich wieder Wurzeln schlagen und mit klarem Verstand deine Ziele verfolgen. Suche bewusst den direkten Kontakt mit der Erde, indem du dich auf die frische Wiese legst oder barfuß spazieren gehst. Das Feuer – die Sonne – hüllt dich in eine wohlige Wärme, erfüllt dich mit positiven Gedanken und stärkt deine Gesundheit. Sie vertreibt Ängste und Zweifel und weckt die Zuversicht in dir. Lass am besten deinen ganzen Körper mit ihrem Licht durchfluten. Die Luft bringt im wahrsten Sinne des Wortes frischen Wind in deine grauen Zellen. Sie wirbelt durcheinander, was allzu festgefahren ist, setzt damit Denkprozesse in Bewegung und sorgt dadurch für neue Impulse. Für deine Streifzüge durch die Natur musst du nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Wie oft gibst du dich unserer Schönheit hin, die dich dort erwartet, wo du lebst? Du kannst sie jederorts und jederzeit finden.

Wenn du die Schönheit der Schöpfung erkennst, in der kein Blatt und kein Stein dem anderen gleicht, lernst du anzunehmen, was ist. Das habt ihr in eurer Welt vergessen, weil ihr alles in Normen zwängt. Deswegen können viele von euch auch ihre eigene Schönheit nicht erkennen und wollen nicht sein, wer sie sind. Kein Baum, keine Blume strebt danach, ein anderer Baum oder eine andere Blume zu sein, denn wir wissen um die Schönheit und Sinnhaftigkeit des Vielfältigen. Das lebendige Zusammenspiel des Vielfältigen, oft sogar des Gegensätzlichen, ist das, was ihr Harmonie nennt und mit eurem Herzen als schön empfindet. Wo genormte Gleichheit herrscht und jeder Ton dem anderen entspricht, kann keine Symphonie erklingen. Daher singe mit voller Inbrunst deine ganz persönliche Melodie. Vielleicht triffst du nicht immer den richtigen Ton, aber das macht nichts, denn es geht im Leben nicht darum, alles richtig zu machen. Wichtig ist, dass es deine eigene Melodie ist, dass es deine eigenen Erfahrungen sind, die das Universum bereichern. Die Welt wäre ärmer, wenn es dich nicht gäbe.

Die Wertlosigkeit, die du vielleicht so manches Mal spürst, weil du zu meinen glaubst, nichts Großartiges zu vollbringen oder nicht so zu sein wie andere, ist unbegründet. Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern. Du bist einer davon. Jeden Abend blickst du auf ein Tagwerk an Sinneseindrücken zurück – ein Erfahrungsschatz, der nicht nur dich bereichert, sondern auch all jene, die du im Alltag selbst mit den kleinsten Gesten und Denkanstößen inspirierst. Das kann sogar ganz von selbst und ohne bewusstes Zutun geschehen. Denn du hast eine Ausstrahlung, die nicht mit euren herkömmlichen Sinnen erfassbar ist. Ihr seid verantwortlich für das, was ihr feinstofflich an eure Umgebung aussendet. Es gibt Menschen, die nach außen gesehen vieles erreicht haben und sogar hohe Ideale verkörpern, aber ihr Leben lang mürrisch und selbstgerecht sind. Sie begegnen ihren Mitmenschen mit einer inneren Verachtung und stecken sie mit einem Gefühl der Unruhe und Aggression an. Andere wiederum führen ein bescheidenes Leben, aber schenken ihrer Umgebung ein Gefühl der Ruhe und des Friedens. Daher beurteile dich selbst und deine Mitmenschen nicht nach äußerlichen Maßstäben, sondern blicke dahinter. Sieh nicht mit Argwohn auf den Bettler am Wegesrand herab, denn er lehrt die Menschen, dankbar zu sein für das, was sie haben. Wende nicht deinen Blick von den Alten und Kranken ab, denn sie lehren die Menschen, dankbar zu sein für das, was sie sind. Und begegne den Jungen mit Respekt und Geduld, denn eines Tages werden sie so sein wie du – ein starker Baum, der unaufhörlich gen Himmel strebt und seine Vollendung sucht.

 

- Ende -

 

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