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Wenn der Wald spricht 1 - Kapitel 16

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Wenn der Wald spricht... 1

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2011)


Hörbuch 2011. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

16. Kapitel: Der Wert des Materiellen

In der Natur herrscht eine Ausgewogenheit aus Geben und Nehmen, um das große Ganze im Gleichgewicht zu halten. Die Bewohner des Waldes nehmen sich instinktiv nur so viel, wie sie zum Leben brauchen. Da ihr Menschen einen freien Willen und damit unzählige und komplexe Entfaltungsmöglichkeiten habt, fällt es euch schwer herauszufinden, was und wie viel ihr braucht. Damit meine ich nicht, was zum Überleben notwendig ist, sondern die Dinge, die euch dazu verhelfen, euer Wesen und die Vision eurer selbst zum Ausdruck zu bringen. Nie zuvor haben auf diesem Planeten so viele Menschen gelebt wie heute. Jeder einzelne von euch will sich entfalten, was aber einen enormen Verbrauch natürlicher Ressourcen mit sich bringt. Umso wichtiger ist es, dass du dir Gedanken darüber machst, was du wirklich brauchst, was wirklich wesentlich für dein Glück ist.

Bei allem, was du besitzen willst, strebst du im Grunde genommen nach Ganzheit, weil du irgendeinen Mangel empfindest. Vielleicht kaufst du täglich die Zeitung mit all den Nachrichten, die dich selbst gar nicht betreffen. Du willst dadurch am Leben anderer Anteil haben, weil du selbst nicht genug lebst. Jeder Mangel zeigt dir auf, dass du mit deinem Wesen noch nicht da bist, wo du sein willst. Deine Seele sehnt sich nach Freiheit, Frieden, Freude und Liebe. Da es dir oft nicht gelingt, diese Gefühle mit einer entsprechenden Lebensweise dauerhaft zu spüren, versuchst du, dieses Mangelsymptom vorübergehend mit Besitz zu beseitigen. Etwas kaufen zu können, was dir gefällt, weckt in dir das Gefühl von Freiheit, und die zeitweise Beseitigung des Mangelsymptoms ein Gefühl von Frieden. Die Beschäftigung mit der neu erworbenen Sache bereitet dir Freude. Und möglicherweise erlangst du von deinen Mitmenschen auch noch Anerkennung und dadurch Liebe. Das erworbene Gefühl hält jedoch nicht lange an, weil es dauerhaft nicht im Materiellen gefunden werden kann. Und so strebst du bald wieder nach neuem Besitz.

Versuche herauszufinden, welches Gefühl du mit einem bestimmten Gegenstand verbindest, und wie du das Gefühl dauerhaft und ohne diesen Gegenstand erlangen kannst. Dann wirst du keinen Mangel mehr an Freiheit, Frieden, Freude und Liebe verspüren. Wir Bäume streben nach Entfaltung. Danach, die uns zugrundeliegende Idee unseres Wesens in der Welt auszudrücken. Nicht viele von euch gehen einer Alltagstätigkeit nach, bei der ihr das Gleiche tut. Ihr könnt deswegen eure Persönlichkeit und Wesensmerkmale nicht zufriedenstellend zum Ausdruck bringen. Ihr denkt, dass es notwendig ist, unter der Aufopferung von Lebenszeit und Energie dieser Tätigkeit nachzugehen, damit ihr euch dadurch freikaufen könnt für die Zeit, wo ihr dann tun und erstreben könnt, was eigentlich eurem Wesen entspricht. Aber oft gelingt das nicht, weil euch die Alltagstätigkeit so viel Kraft raubt, dass eine anspruchsvolle Entfaltung in der Freizeit nicht mehr möglich ist. In diesem Fall ist das Gleichgewicht aus Geben und Nehmen gestört. Du gibst Lebenszeit und Energie, erhältst dafür aber nur einen materiellen Ausgleich und deine Wesensentfaltung kommt zu kurz. So entsteht ein Mangel an Freiheit, Frieden, Freude und Liebe. Vielleicht würdest du bei einer Tätigkeit, die deinem Wesen eher entspricht, weniger als bisher verdienen. Aber du würdest weniger Besitz brauchen, weil du keinen inneren Mangel mehr im Außen kompensieren müsstest. Und indem du dann auf manche Dinge verzichten kannst, die andere Menschen begehren, weckst du in dir ein Urvertrauen und hast einen freieren Blick auf dein Wesen – auf das, was dich von innen heraus ausmacht. Dadurch wirst du authentisch und echt, was bei deinen Mitmenschen unbewusst einen bleibenderen Eindruck hinterlässt als materielle Dinge. Dein Auftreten wird wahrhaftig und selbstbewusst.

Wenn du nicht mehr so abhängig vom Materiellen bist, kannst du außerdem bei der Wahl deines Besitzes den Schwerpunkt auf Qualität anstatt auf Quantität legen. Mit wie viel Liebe und Rücksicht auf die Natur, die Arbeiter und die Gesundheit wurden die von dir gekauften Waren hergestellt? Wie viel Ursprünglichkeit und damit nicht messbare, aber von manchen Menschen fühlbare Lebensenergie ist noch in deiner Nahrung enthalten? Waren wie diese haben zwar ihren Preis, zahlen sich im Endeffekt aber aus. Du wirst mit dir selbst mehr im Reinen sein und dich sowie deine Umwelt weniger mit schädlichen Stoffen belasten. In der heutigen Zeit habt ihr bei fast allen Gebrauchsgegenständen, Nahrungsmitteln und selbst bei Bekleidung die Möglichkeit, diese Wahl zu treffen. Es liegt an dir, zu entscheiden, welche Wahl deinem Wesen und der Vision deiner selbst am ehesten entspricht.

Aber entscheide aus der bewussten Erkenntnis heraus, und nicht, weil du dich zum Verzicht zwingen willst. Erzwungener Verzicht würde dich nur verbittern und möglicherweise zum anderen Extrem verleiten: zur Verteufelung des Materiellen, weil du dir selbst etwas beweisen willst. Es geht nicht darum, die Welt des Materiellen komplett auszublenden, sondern sich in ihr auszudrücken. Dazu hast du heutzutage unzählige Möglichkeiten. Du kannst dein Geld dazu verwenden, um die Welt und ihre Kulturen zu erkunden, künstlerisch kreativ zu sein, in die Natur einzutauchen oder dein Dasein mit anderen Menschen zu feiern. Das ist Besitz, den man nicht anstrebt, um ihn zu haben, sondern um als Mensch zu sein und zu werden. Er bereichert dein Leben, ohne dich zu vereinnahmen, ohne dich zu besitzen. Wenn du lernst, deinen Fokus vom Haben auf das Sein zu lenken, brichst du aus dem Kreislauf des Strebens nach immer mehr aus. Dann kannst du die Süße der Freiheit schmecken, wie auch wir es tun, wenn wir unsere reifen Früchte abwerfen und uns an unserer neu gewonnenen Leichtigkeit erfreuen.

 

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