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Wenn der Wald spricht 1 - Kapitel 11

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Wenn der Wald spricht... 1

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2011)


Hörbuch 2011. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

11. Kapitel: Kinder

Gebt deswegen vor allem euren Kindern die Möglichkeit, alle Aspekte ihres Seins – die dunklen wie die lichten – von klein auf in ihr Wesen zu integrieren. Seid ihnen ein Vorbild, aber zwingt ihnen nicht das Gute auf. Sie müssen ihre Grenzen selbst ausloten, um sich zu finden. So wie ein Baum mit der Zeit von selbst gerade wächst, kommt auch der Mensch im Alter zur Vernunft.

Geht mit euren Kindern raus in die Natur. Sie sind jung und haben viel Kraft, die sie ausleben müssen. Nur so können sie sich spüren und selbst kennenlernen. Wie sollen sie ihre Kraft auf konstruktive Weise nutzen, wenn sie den größten Teil ihrer Zeit sitzend in der Schule, am Computer oder vor dem Fernseher verbringen? Es ist nicht verwunderlich, dass sie nicht ausgelastet sind und manche von ihnen ihre Energie auf destruktive Weise in Form von Gewalt freisetzen. Kinder haben nicht nur viel Energie, sie sind auch von Natur aus neugierig und wollen ihre Umgebung, in die sie hineingeboren wurden, entdecken. Wenn ihr Alltag lediglich daraus besteht, von ihrem technisierten Umfeld ein lebloses Abbild der Welt vorgesetzt zu bekommen, stumpfen sie ab. Sie verlieren den Drang, etwas Neues zu entdecken, und das Selbstbewusstsein, sich darauf einzulassen.

Kinder haben noch die segensreiche Fähigkeit, sich von der Außenwelt abzuschotten und in die Natur zu vertiefen – etwas, das die Erwachsenen erst wieder lernen müssen, wenn sie der Natur näherkommen wollen. Beraubt eure Kinder nicht um diese Fähigkeit, indem ihr sie durch die Gegend hetzt. Wenn sie verträumt einen Baum anstarren und ihn für diesen Moment ihre Welt sein lassen, nehmt ihnen nicht dieses Erlebnis. Diese emotionale Erfahrung ist weitaus prägender als die wissenschaftlichen Erklärungen eurer Schulbücher. Wer die Natur nicht kennenlernt und schöne Erlebnisse mit ihr verbinden kann, wird später auch nicht für ihren Erhalt sensibilisiert sein. Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur. Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie. Ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein ist also nicht nur für uns Bäume wichtig, sondern auch für euch.

Zur Entwicklung dieses Bewusstseins müsst ihr aber direkt in die Natur eintauchen und sie mit allen Sinnen erfahren. Leider gewinnt ihr jedoch in der heutigen Zeit eure Eindrücke von der Welt fast nur noch abstrakt über das indirekte Sehen und Hören in den Medien. Das unmittelbare Schmecken, Riechen und Fühlen kommt zu kurz, ist aber zur Schärfung der Wahrnehmung wichtig – je früher, desto besser. Sorgt also dafür, dass eure Kinder nicht völlig von der technisierten Welt vereinnahmt werden. Sonst wollen sie die Natur, die reale Welt, nicht mehr hautnah erleben und spüren instinktiv nicht mehr, dass sie eigentlich eins mit ihr sind.

Und macht euch keine allzu großen Sorgen um ihr Wohlergehen. Es stört Kinder nicht, wenn sie dreckig und zerkratzt sind, und sie lassen sich auch von durchnässter Kleidung nicht den Spaß verderben. Es schadet ihrer Gesundheit eher, wenn ihr Körper nie mit Einflüssen von außen konfrontiert wird. Auch für den Geist ist das äußere Erleben wichtig. Beim Klettern zum Beispiel lernen Kinder spielend, achtsam zu sein, beim Umgang mit Pflanzen und Tieren, Verantwortung zu übernehmen. So hält die Natur eine Reihe von Lernaufgaben für eure Kinder bereit, für die es weder eines Lehrers noch einer Schulbank bedarf. Wenn nicht in der Natur, wo sonst wollt ihr zum Beispiel lernen, der Tierwelt mit Achtung und Mitgefühl zu begegnen?

 

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