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Wenn der Wald spricht 1 - Kapitel 10

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Wenn der Wald spricht... 1

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2011)


Hörbuch 2011. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

10. Kapitel: Gut & Böse

Damit du dich so annehmen kannst, wie du bist, musst du dich nicht nur deinen Fehlern stellen, sondern auch deinen Schwächen – deinen Schattenseiten. Denn du wirst den göttlichen Funken in dir – das Gute in all seiner Pracht – erst sehen, wenn du dir für das vergibst, was weniger lichtvoll in dir schlummert. Im Schatten eines mächtigen Baumes gedeihen keine saftigen Früchte. Also lass die Sonne der Vergebung in dein Innerstes strahlen. Tu dies auch bei deinen Mitmenschen, und du wirst in einer friedlicheren Wirklichkeit leben. Sobald du dich mit deinen Schattenseiten und Fehlern ausgesöhnt hast und das Gute in dir erkennst, wird dein Leben automatisch zu einer Demonstration deiner Stärken. Dann kreist du nicht mehr mit Selbstzweifeln, Scham und Schuldgefühlen um deine Schwächen.

Es geht nicht darum, die Schattenseiten im wahrsten Sinne des Wortes "auf Teufel komm raus" loszuwerden. Nimm sie liebevoll an und gib ihnen einen gewissen Raum, wo sie sich auf eine gesunde Art und Weise äußern können, ohne unterdrückt zu werden. Sie gehören zu deinem Wesen, weil es in dieser Welt der Gegensätze – der Dualität – keine Wärme ohne Kälte, keinen Tag ohne Nacht und kein Licht ohne Dunkelheit gibt. In der Spannung dieser Gegensätze spielt das Leben. Nichts bringt dies deutlicher zum Ausdruck als der elektrische Strom. Denn ohne Spannung kann er euer Heim nicht zum Leuchten bringen.

Wenn du deine Schwächen erkennst und akzeptierst, können sie sich sogar als Stärken offenbaren. Denn der Grat zwischen den Gegensätzen, die eure Welt prägen, ist sehr schmal. Und so liegt der Wert von Gut und Böse oft im Auge des Betrachters. Wer zum Beispiel seinen Mitmenschen wenig gönnt und auf sie neidisch ist, kann sich diesem Neid stellen, ihn durchschauen, liebevoll annehmen und dann in einen Antrieb verwandeln, das Gleiche wie seine Mitmenschen zu erreichen. Wer neidisch ist, ist sich dessen bewusst, dass er die ersehnten Dinge ebenfalls verdient. Diese Einstellung ist gesünder, als sich wie ein Taugenichts zu fühlen, der nichts Gutes vom Leben erwartet. Oder die Wut... sie signalisiert einem Menschen, dass er mit etwas nicht einverstanden ist, das ihm widerfährt. Sie macht ihm bewusst, dass er seinen Lebensweg möglicherweise korrigieren sollte, um diese Erfahrung nicht mehr machen zu müssen. Das Gegenteil davon wäre Gleichgültigkeit. Wer gleichgültig ist, lässt sich dorthin treiben, wohin der Wind ihn weht, anstatt selbst das Heft in die Hand zu nehmen und das Leben eigenverantwortlich anzupacken.

Es kommt also nicht darauf an, welche vermeintlich dunklen Gefühle sich in dir äußern, sondern wie du darauf reagierst. Verteufle deine Schattenseiten nicht, sondern gib ihnen den Stellenwert, den sie haben. Sie sind ein Teil von dir und machen dich als einzigartigen Menschen genauso aus wie die lichtvollen Seiten. Deswegen beherzige, was die Menschen in der Wüste zu sagen pflegen: „Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt, sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt.“ Du bist dieser Strauch. Manchmal fällt es dir schwer, so zu denken, weil du Menschen, die sich selbst schätzen, für eingebildet hältst. Du glaubst, dass ein Mensch, der sich selbst liebt, nichts für seine Mitmenschen übrig hat. Das Gegenteil ist der Fall. Wer mit sich selbst im Reinen ist, ist glücklich und teilt dieses Glück gerne mit anderen Menschen. Du verwechselst lediglich sich selbst lieben mit selbstverliebt sein. Und so meinst du, dich nicht lieben zu dürfen, um bloß nicht so zu werden wie manch ein erfolgreicher Mensch, der auf sein weniger erfolgreiches Umfeld herabblickt. Ein Mensch wie dieser liebt sich nicht selbst, sondern ist wegen seines Erfolges selbstverliebt. Er braucht ihn, weil er sich sonst selbst nicht genügen würde. Aber der Erfolg wird diesem Menschen nicht dazu verhelfen, sich so annehmen zu können, wie er ist. Er glaubt, damit seine Schwächen und Fehler vergessen zu können, aber dann schreien sie umso mehr nach Aufmerksamkeit.

Tu es Menschen wie diesen nicht gleich. Gestatte es dir stattdessen, heil zu werden, indem du das Licht und den Schatten in dir zu einer Ganzheit vereinst. Wenn du heil bist, bist du gut. Es ist nicht nötig, Perfektion anzustreben. Oder hast du jemals einen schnurgeraden Baum gesehen? Auch krumme Bäume tragen Früchte. Beim krampfhaften Versuch, perfekt zu sein, geht das Gute verloren. Denn wo das Perfekte, das Absolute sein will, kann kein Gegenpol existieren. Das ist in eurer Welt der Gegensätze jedoch nicht möglich. Also wird sich der Schatten auf eine andere Weise zu Wort melden und den Raum einfordern, der ihm gebührt. Schon viele Menschen haben versucht, den Schatten auszulöschen – zum Beispiel im Namen Gottes. Aber sie wurden ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. Oder in weniger poetischen Worten ausgedrückt: Sie wurden zu dem, was sie bekämpft haben. Die Dunkelheit hat viele Gesichter, und sie wird immer an die Tür all jener klopfen, die sie aus ihrem Heim verbannt zu haben glauben.

 

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