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Wenn der Wald spricht 1 - Kapitel 09

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Wenn der Wald spricht... 1

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2011)


Hörbuch 2011. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

9. Kapitel: Sich selbst vergeben

Für dein persönliches Glück ist es wichtig, dass du nicht nur deinen Mitmenschen vergibst, sondern auch dir selbst. Fehler gehören zum Leben. Du kannst nur wachsen, wenn du nicht zu bequem und ängstlich bist, neue Erfahrungen zu machen. Wer immer nur alles richtig machen will, hemmt seine Zielstrebigkeit und wird schließlich handlungsunfähig. Wie willst du herausfinden, wer du bist, wenn du nicht bist, wenn du nicht handelst, sondern immer nur zögerst? Du kannst angesammeltes intellektuelles Wissen nur in Weisheit verwandeln, wenn du dieses Wissen lebst. Weisheit ist erlebtes, gefühltes Wissen. Auf dem Weg der Freude und Enttäuschung wirst du weise. Deswegen verurteile dich nicht für deine Fehler. Lass sie mit der Dankbarkeit und Gewissheit los, dass du sie in Zukunft nicht noch einmal machen musst. Fehler können sogar eine Bereicherung für deine Persönlichkeit und für das Zwischenmenschliche sein. Denn wer Fehler macht, kann auch Verständnis für die Fehler seines Nächsten aufbringen. Man wird seinen Mitmenschen gegenüber offener und barmherziger und kann leichter vergeben.

Um deine Fehler loszulassen und dich mit dir selbst auszusöhnen, musst du dich ihnen jedoch erst stellen. Scheue nicht davor zurück, hinabzusteigen in den dunklen Abgrund deines Wesens. Habe den Mut – die Demut – der eigenen Wahrheit zu begegnen. Wenn du es nicht wagst, diesen Abgrund zu erkunden und anzunehmen, kratzt du immer nur an der Oberfläche und wirst keinen Frieden finden. Nicht unbedingt, weil du schlimme Fehler gemacht hast. Sondern weil ihr Menschen generell dazu neigt, euch schlecht zu fühlen und zu verurteilen – selbst für Fehler, die schon seit Jahrzehnten der Vergangenheit angehören. Du denkst, dass das so sein muss, weil du dich nicht besser fühlen darfst als die Menschen, die deine Fehler ausbaden mussten. Das ist ein Irrglaube, denn deine Mitmenschen fühlen sich nicht besser, dadurch dass du dich schlecht fühlst. Oft ist es sogar so, dass deine Fehler längst vergeben und vergessen sind. Aber weil du dir die Fehler nie bewusst angesehen und dir selbst nicht vergeben hast, begleiten sie dich wie ein Schatten durch das ganze Leben. Sie rauben dir Kraft, weil sie deinen Glauben an das Gute in dir schwächen. Keine Schuldgefühle zu haben – also die Schuld nicht zu fühlen – bedeutet nicht, dass man seine Fehler nicht bedauert. Schuldgefühle schwächen dich, weil sie unaufhörlich an dir nagen. Das Bedauern hingegen ist konstruktiv, weil es dich bewusst und mit einem gewissen emotionalen Abstand an die Fehler erinnert, damit du sie nicht noch einmal machen musst.

Vielleicht kannst du deine Fehler nicht wiedergutmachen. Aber das ist trotzdem kein Grund, dich mit Selbstvorwürfen zu quälen. Die Ursache dafür, dass du es in der Regel dennoch tust, liegt in einem weiteren Denkfehler, der bei euch Menschen weit verbreitet ist: Ihr vertretet die Ansicht, dass Geben und Nehmen – im Guten wie im Schlechten – stets zwischen den gleichen Menschen erfolgen muss. Das ist manchmal schlicht und einfach nicht möglich, weil Geschehenes nun einmal geschehen ist. Lerne stattdessen, die Gesellschaft als ein Ganzes zu begreifen, so wie die einzelnen Bäume und Bewohner des Waldes ein in sich geschlossenes System bilden. Ich erwarte zum Beispiel nicht, dass der Specht, der sein Nest in meinen Stamm hämmert, dies irgendwann wieder ungeschehen machen kann. Ich werde daran nicht zugrunde gehen und trotzdem mein Ziel zu wachsen so effektiv wie möglich weiterverfolgen. Außerdem weiß ich, dass dieser Specht schon so manchen Baum von Schädlingen befreit hat, weil sie ihm als Nahrung dienen. Und eines Tages wird sich ein Vogel auch um meine Rinde kümmern. Vertraue einfach darauf, dass dir immer gegeben wird, was du für deinen gegenwärtigen Entwicklungsprozess brauchst, und dass du anderen gibst, was sie gerade brauchen. Das Leben ist wie ein Fluss. Die Sonne nimmt ihm das Wasser, doch irgendwann geben es ihm die Wolken wieder zurück. Dem einen schenkst du etwas, ein anderer wird dich beschenken. Dem einen vergibst du, ein anderer wird dir vergeben, wenn du einmal nicht richtig gehandelt hast.Sobald du das verstanden hast, musst du auch kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn dir gegeben wird, du aber nicht zurückgeben kannst. Nimm das Geschenk dankend an. Denn eines Tages wirst du derjenige sein, der einen Menschen in irgendeiner Form beschenkt. Das, was du bekommst, erscheint dir vielleicht im ersten Augenblick nicht immer sinnvoll. Aber auf lange Sicht bereichert jede Erfahrung dein Wesen. Wenn du darauf vertraust, kannst du deinen Mitmenschen und dir selbst leichter vergeben und beharrlich weiter deiner Wege gehen.

 

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