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Wenn der Wald spricht 1 - Kapitel 01

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Wenn der Wald spricht... 1

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2011)




Hörbuch 2011. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

1. Kapitel: Einführung

Kannst du mich hören?
Werde still und lausche.
Leere deinen Geist.
Hörst du mich?
Spür in dich hinein.
Öffne dich.
Und nun hör genau hin.
Du kannst mich hören.

Ist dein Geist leer? Frei von Vorurteilen und anderen Einflüssen der äußeren Welt? Hindert dich etwas daran, die Grenzen deiner gegenwärtigen Überzeugungen zu überschreiten? Bist du ungestört und ganz bei dir? Nur wer bereit ist, dem Nichts zu begegnen, ist bereit für eine neue Wahrheit. Schließe die Augen, lausche dem Flüstern meiner Blätter und richte deinen Blick auf das Nichts. Eine neue Wahrheit kann nur in dieses Nichts hinein entstehen. Schenke mir diesen leeren Raum in dir, damit Bilder und Empfindungen entstehen können, die auf dein Herz intensiver und wahrhaftiger wirken als auf den zweifelnden Verstand. Fühle beim Zuhören einfach, was du fühlst. Der nüchterne Verstand klammert sich stets an das, was er kennt und einzuordnen weiß. Das fühlende Herz hingegen ist offen für das Ungesagte. Es macht dir Mut zum Eintauchen in eine andere Wirklichkeit.

Vielleicht hast du ein wenig Angst, weil du denkst, dass du die Kontrolle über dich verlierst, wenn du den Verstand ausblendest. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. In dem Augenblick, in dem du einfach nur fühlst und dich selbst vergisst, bist du völlig bewusst. Du kennst das, wenn du mit voller Inbrunst in einer Tätigkeit aufgehst. Raum, Zeit und du selbst spielen dann keine Rolle mehr. Da ist nur noch der Moment in seiner ganzen Gegenwärtigkeit und Klarheit. Und jetzt höre mir mit dieser Gegenwärtigkeit und Klarheit zu.

Seit fast einer Ewigkeit sind wir Bäume stille Zeitzeugen dieser Welt. Wir erinnern uns noch gut daran, wie einst die Alten und Weisen das wichtigste Wissen an euch weitergegeben haben. Sie haben es euch vorgelebt. In der heutigen Zeit jedoch ist euch so viel Wissen zugänglich, dass ihr kaum noch unterscheiden könnt, was für euer Leben wirklich von Bedeutung ist. Eure Gelehrten spalten die Welt zunehmend in ihre Bestandteile auf. Dadurch werden sie blind für den Blick auf das Ganze. In der Tat, der Teufel liegt im Detail. Ihr nehmt immer mehr die Rolle des Beobachters ein. Ihr teilt, messt und analysiert. Die Übermacht eurer rastlosen Gedanken übertönt unser unaufdringliches Flüstern, das nur euer Innerstes hören kann. So können wir uns euch nicht offenbaren. Nur euer Herz vermag unsere Beseeltheit, unser Wesen zu schauen. Mit eurem Verstand konntet ihr lange nur Dinge über uns lernen. Doch jetzt wird es Zeit, euer Herz zu öffnen und von uns zu lernen.

Ich hoffe, dass dich meine Worte inspirieren werden und du nach dem Zuhören die Natur anders wahrnehmen wirst. Vielleicht wirst du unsere Lebendigkeit nicht mit den Augen sehen, aber du wirst sie spüren. Die meisten von euch sind sich dieser Lebendigkeit nicht bewusst. Schon zu lange habt ihr euch unter das Joch des Verstandes begeben. Aber auch wir sind beseelt. Ihr seid zwar körperlich von uns getrennt, aber nicht geistig. Euer Verstand mag euch dieses Gefühl der geistigen Trennung vermitteln, aber auch ihr seid aus der Natur geworden. Ihr seid uns Bäumen sehr ähnlich. Der Querschnitt eurer Lunge gleicht unserem Geäst. Wie wir steht ihr aufrecht. Auch ihr seid mit unzähligen Dingen verwurzelt. Manche Menschen sind für euch "aus gutem Holz geschnitzt". Andere beschreibt ihr als "stark wie ein Eiche". Wenn es dir gelingt, unser Einssein zu erkennen und dich als Teil des Ganzen zu verstehen, kannst du das Wesen, die Lebendigkeit der Natur, schauen und in dein eigenes Leben integrieren, um heil zu werden. Vieles in und um euch ist aus dem Gleichgewicht geraten und nicht mehr heil. Das ist der Preis, den ihr Menschen für eure Freiheit und Entwicklung des Ichs zahlen musstet. Aber ihr seid daran gewachsen und könnt nun als freie, verantwortungsvolle Geschöpfe von uns lernen, dieses Gleichgewicht wiederzuerlangen. Klopfe mit Aufgeschlossenheit, Achtung und einem ruhigen Geist an unsere Pforte, und dir soll Einlass gewährt werden.

Wie steht es um deine Aufgeschlossenheit? Ihr meint, man sollte nur glauben, was man sieht. Dabei entgeht euch, zu sehen, was man glaubt. Zweifel blockieren den Fluss, unterdrücken eure Gefühle und bringen euer Herz, eure innere Stimme zum Schweigen. Glauben ist nicht wissen, so sagt ihr. Zweifeln jedoch ebenso wenig, denn Zweifeln ist Glauben in entgegengesetzter Richtung. Der Glaube kann euer Begleiter zu einer neuen Wahrheit sein. Der Zweifel hingegen führt immer nur auf altbekannte Wege. Für welchen Weg entscheidest du dich? Beweise für unsere Beseeltheit, für das, was sich hinter dem Herkömmlichen verbirgt, kannst du nicht mit den herkömmlichen Sinnen oder dem Verstand einfordern. Die auf Beweisen beruhende Verstandeswahrheit ist ohnehin ein launischer Zeitgenosse. Ihr habt die Welt lange für eine Scheibe gehalten. Eure Heiler haben einst geglaubt, Wasser und Luft würden krank machen. Und erst seit kurzem seid ihr der Meinung, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten – auch Menschen anderer Hautfarbe und Frauen. Ein weiser Mensch sagte einmal: "Die Wahrheit ist gar nicht so schwer zu finden. Schwer ist es nur, einen Menschen zu finden, der sie sucht." Suche die Wahrheit, aber nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen.

Wie steht es um deine Achtung? Seit Jahrtausenden schenken wir euch die knisternde Wärme des Feuers, klare Luft zum Atmen und ein schützendes Dach über dem Kopf. Nutzt unsere Rohstoffe in dem Maße, wie ihr sie zum Überleben braucht - nicht mehr, nicht weniger. Und seid dankbar dafür. Wenn du dankbar bist für unsere Gaben, wirst du mit einem Gefühl der Fülle belohnt werden. Denn durch die Bekundung deines Dankes wird dir bewusst werden, dass es dir an nichts mangelt. Und wenn du uns achtest, wirst du auch dich selbst mehr achten, weil du merken wirst, dass auch du Achtung verdienst.

Wie steht es um deinen ruhigen Geist? Hast du Angst vor der Stille, die dich in der Natur erwartet, und läufst stets vor ihr davon? Fürchtest du das Alleinsein, das hinter der Stille lauert? Mach nicht die stille Nacht zum Tag, sondern gib dich dem Wechselspiel aus Leben und Zurückgezogenheit hin - so wie die Bewohner des Waldes, wenn es dunkel wird und das emsige Treiben um uns herum verstummt. Geh regelmäßig in die Natur, werde still und komm zu dir. Finde die Freiheit, indem du im Alleinsein lernst, dir selbst zu genügen. Erst wenn du dir selbst genügst und der Lärm im Außen schweigt, schwindet deine innere Unruhe und eine neue Verbundenheit wird in dir erwachen. Eine echte Verbundenheit, die keine Erwartungen an die Mitmenschen stellt. Ein zartes Band, das dich mit allem - auch mit uns - vereint. Im Alleinsein wirst du mit allem eins sein. Dann wird dein Herz weit, wird spüren, wird hören, wird sehen und wird wissen.

Wenn es dir gelingt, im aufgeschlossenen, achtsamen Betrachten eines Baumes absolute Ruhe zu finden, verschwinden Raum und Zeit. Der Betrachter und das Betrachtete verschmelzen dann zu einer Einheit. Das ist der Augenblick, an dem sich dir unsere Essenz offenbaren kann. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon seit vielen Jahrtausenden hegen eure Schamanen und anderen Wissenden eine innige Freundschaft mit uns.

Gegenwärtig steht jeder einzelne von euch vor einem Scheideweg. Ihr habt die Wahl, euch noch tiefer in die technisierte Verstandeswelt hineinzubegeben und euch damit noch weiter von der Natur zu entfernen. Oder aber ihr entwickelt ein neues Verständnis des Miteinanders - global und unter Einbeziehung aller Lebensformen. Diese Entscheidung musst du für dich allein treffen – ganz gleich, welchen Weg deine Mitmenschen einschlagen. Vielleicht fehlen dir Mut und Zuversicht, um einen kaum begangenen Pfad zu beschreiten. Du denkst "Was kann ich als Einzelner schon ausrichten?" Es geht nicht darum, allein die ganze Welt zu verändern. Es geht um dich und darum, deine ganz persönlichen Erfahrungen in dieser Welt zu machen, in ihr zu wachsen und andere Menschen in ihrer eigenen Entwicklung zu inspirieren. Sorge dich um das Heil der Erde, indem du das für sie tust, was dein Herz für angemessen hält. Aber hadere nicht mit ihrem Schicksal. Hoffnungslosigkeit und Frust rauben dir nur unnötig Kraft, die du zur Formung deines Wesens und zur Demonstration deiner Ideale brauchst. Es geht um dein ganz persönliches Wachstum – um die Verwirklichung der Vision, die du von dir selbst hast. Tu es uns Bäumen gleich. Jeder einzelne von uns strebt sein eigenes Wachstum an und trägt dennoch zum übergeordneten Gleichgewicht des Waldes bei – egal wie unterschiedlich wir auch sein mögen. Dieses Vertrauen in eine Macht, die die Waagschale hält, darfst und solltest du haben. Denn sonst läufst du Gefahr, verbittert zu werden. Dann verkümmern auf dem Weg des Wachstums dein inneres Kind, deine Lebensfreude und dein Mitgefühl.

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