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Wenn der Wald spricht 2 - Kapitel 16

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Wenn der Wald spricht... 2

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2013)


Hörbuch 2013. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

16. Kapitel: Materielle Stabilität

Noch müssen die meisten von euch einer herkömmlichen Arbeit nachgehen, da sie anders nicht über die Runden kommen. Während ein Zehntel der Bevölkerung hierzulande zwei Drittel des gesamten Vermögens konzentriert, besitzt die Hälfte der Menschen so gut wie nichts. Viele von euch sind materiell sehr verwundbar und haben schon Angst, wenn sie nur den Briefkasten öffnen. Eine hohe Rechnung könnte alles durcheinanderbringen. Wer sich jedoch über eine andere Ausrichtung seines Lebens oder sogar über eine bessere Welt Gedanken machen will, benötigt einen kühlen Kopf. Deine alltägliche Arbeit mag zwar Kraft kosten, aber handlungsunfähig macht dich die Existenzangst. Sie verschleiert jeden klaren Gedanken.

Daher sollte der erste Schritt zur Veränderung sein, deine Geldangelegenheiten in Ordnung zu bringen – und zwar an der Stelle, an der du jetzt gerade stehst. Wer auf einen Baum klettern will, fängt unten an, nicht oben. Für diesen Schritt der materiellen Veränderung wirst du vermutlich nicht mehr arbeiten müssen als bisher. Suche stattdessen nach Ausgaben, die sich ohne großen Verzicht vermeiden lassen, damit du am Ende des Monats ein finanzielles Polster hast und dich sicherer fühlst. Mit der im Laufe der Zeit gewonnenen Klarheit lässt sich das gesparte Geld dann vielleicht in sinnvollere Dinge investieren – in Dinge, die dich in deiner persönlichen Entwicklung fördern und vielleicht sogar freier machen. „Ich sehe überall mehr Streben nach Besitz, der imponiert, als nach Besitz, der unabhängig macht“, ärgerte sich einst ein Künstler.

Nimm vor allem deine laufenden Kosten unter die Lupe. Dieser monatlichen oder jährlichen Ausgaben seid ihr Menschen euch am wenigsten bewusst. Und was man nicht bewusst wahrnimmt, hat man nicht unter Kontrolle. Wie selbstverständlich fließt dieses Geld möglicherweise schon seit Jahren irgendwohin, ohne dass du es weißt. Vielleicht bestellst du seit Jahren eine Zeitung, weil sie dich damals interessiert hat, aber deine Interessen haben sich längst gewandelt. Auch auf die Kommunikation unterwegs kannst du möglicherweise verzichten, um die monatlichen Gebühren einzusparen. Egal, wo ihr seid, ihr starrt unentwegt in eure Bildschirme und seid überhaupt nicht mehr „da“. Es wäre außerdem sehr entspannend für euren Geist, nicht immer erreichbar zu sein, und würde in euch das Vertrauen wecken, dass die Dinge auch ohne permanente Kontrolle ihren Lauf nehmen. Falls du gerne Sport treibst, könntest du deine sportlichen Aktivitäten nach draußen in die Natur verlagern, anstatt dich regelmäßig in den vier Wänden einer Einrichtung zu quälen und dafür auch noch zu bezahlen. „Natürlichem genügt das Weltall kaum; was künstlich ist, verlangt geschlossnen Raum“. Du brauchst keine Geräte, um dich mit unnatürlichen Bewegungen in Form zu halten. Es reicht, einfach täglich etwas Zeit draußen zu verbringen. Neben der Bewegung erhältst du dort Eindrücke, die sicher heilsamer sind als der Blick auf eine kahle Wand.

Beginne außerdem damit, deine Schulden zurückzuzahlen, und vermeide es, neue Schulden zu machen, wenn es sich dabei nicht mit großer Wahrscheinlichkeit um eine gewinnbringende Investition handelt. Die Zinsen für das geliehene Geld sind Ausgaben, für die du nicht den geringsten Gegenwert erhältst. Zudem verlierst du ein Stückchen Freiheit, da derjenige, bei dem du in der Schuld stehst, so lange nicht aus deinen Gedanken weicht, bis die Schuld beglichen ist. Ein einfacher Zweig ist dem Vogel lieber als ein goldener Käfig. Aber diesen goldenen Käfig schaffst du dir, wenn du Geld ausgibst, das dir nicht gehört. Viele Menschen ruinieren sich, weil sie sich für den Bau eines Hauses in Schulden stürzen. Nach einigen Jahren werden sie von großen Veränderungen wie dem Verlust der Arbeit oder Partnerschaft heimgesucht und können die Schulden nicht mehr zurückzahlen. Ihr seid in der heutigen Zeit zu optimistisch, was Langzeitpläne betrifft. Die Dinge sind heute nicht mehr so stabil und vorhersehbar wie früher. Ihr könnt nicht mehr zuverlässig ein viertel Jahrhundert im Voraus planen. Daher sei mit großen Investitionen vorsichtig – vor allem, wenn du dafür Schulden machen musst.

Die höchsten und gleichzeitig am schwierigsten zu vermeidenden laufenden Kosten verursachen eure Fahrzeuge. Wusstest du, dass ihr jeden Monat für das Auto mehr Geld ausgebt als für Freizeit und Kultur? Gerade einmal ein Zehntel eures Geldes investiert ihr in eure Freizeit – in das, was euer Leben wirklich lebenswert macht. Wenn du auf das Auto nicht verzichten kannst, benutze es zumindest seltener, um die Benzinkosten zu verringern. „Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.“ Erledige so viel wie möglich auf deinen zwei Beinen – deine Gesundheit und die Umwelt werden es dir danken.

Richte deinen bewussten Blick aber nicht nur auf die laufenden Kosten, sondern auch auf einmalige Ausgaben. Es gibt sicherlich viele Dinge, die du einmal benutzt und dann nie wieder. Kaufe Filme, Bücher oder andere Waren mit geistigem Inhalt aus zweiter Hand – der Inhalt ist der Gleiche, egal, wie zerfleddert das Buch ist. Und verkaufe es nach dem Lesen wieder, falls du denkst, du hast alles aus diesem Buch für dein Leben gewonnen. Es wird ansonsten unbeachtet jahrelang im Regal stehen. Wenn du denkst, du müsstest dem Schöpfer dieses geistigen Werks eigentlich deine finanzielle Wertschätzung entgegenbringen, so kannst du dies immer noch tun, sobald sich deine materielle Schieflage stabilisiert hat.

Auch Veranstaltungen und Urlaube fallen in die Kategorie der einmaligen Ausgaben. Du gibst materielle Energie in Form von Geld, doch bekommst nichts Materielles zurück – insofern ist es der Beseitigung deiner materiellen Schieflage nicht dienlich. Ich will dir nicht die Freude am Leben nehmen und auch du solltest dich nicht so weit einschränken, dass deine Lebensfreude darunter leidet. Aber überlege genau, was sich in deiner aktuellen Lebensphase stimmiger und friedvoller anfühlt: dein Urlaub oder ein finanzielles Polster und damit eine geringere Verwundbarkeit und größere geistige Klarheit. Auch solltest du dich nicht selbst in die Isolation treiben, indem du Verabredungen mit deinen Freunden nur wegen des Geldes ausschlägst. Hin und wieder wird es aber vielleicht Situationen geben, in denen du darauf verzichten kannst, ohne zwischenmenschliche Opfer zu erbringen.

Vermeide außerdem den Kauf von Gegenständen ohne ersichtlichen Nutzen. Ein Bärchen hier, eine nette Vase dort, und irgendwann ist dein ganzer Keller voll mit billig und lieblos hergestellten Dingen. Auch beim Kauf von Medikamenten kannst du Geld sparen, sofern du weißt, dass es nichts Ernstes ist. Wenn du Kopfweh hast, ruh dich lieber aus, wenn du Fieber hast, ruh dich lieber aus, wenn du erkältet bist, ruh dich lieber aus. Außer deinem hilfebedürftigen Nachwuchs bist du niemandem gegenüber in der Pflicht, wenn du krank bist – weder deinem Chef noch deinem Partner noch deinem Ehrgeiz noch deinen Schuldgefühlen. Denn du bist nicht ohne Grund krank. Vermutlich brauchst du diese Auszeit einfach. Du wirst ohnehin irgendwann gezwungen sein, etwas kürzer zu treten, wenn du die leisen Impulse deines Körpers unterdrückst.

Es gibt also viele Möglichkeiten, wie du mehr Kontrolle über dein Leben erlangen und deine materielle Situation verbessern kannst, ohne großen Verzicht zu üben. Nutze diejenigen Möglichkeiten, die dir leichtfallen. Vielleicht tust du vieles nur noch aus Gewohnheit, obwohl du die Anhaftung daran bereits verloren hast. Reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig bedarf. Aber quäle dich nicht und achte darauf, dass sich der Verzicht nicht auf deine Lebensfreude und andere wichtige Kraftspender auswirkt.

Noch mehr Kontrolle über deine Finanzen erlangst du, wenn du dich mit anderen zusammentust. Ihr könnt gemeinsam Dinge anschaffen, die im Alltag selten gebraucht werden und dennoch fast in jedem Haushalt zu finden sind. Ihr würdet euch die Ausgaben teilen und die gekauften Dinge gemeinschaftlich nutzen. Werkzeuge für die Gartenarbeit, Gerätschaften zum Waschen und Trocknen der Kleidung, Fortbewegungsmittel... Auch hier gibt es unzählige Möglichkeiten, die jedoch bei allen Beteiligten ein hohes Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft voraussetzen. Und ihr müsstet erst eure Hemmschwelle überwinden, aufeinander zuzugehen. Dazu wäre es notwendig, euch sowie eurer Individualität einzugestehen, dass ihr gemeinsam stärker seid als alleine. Einst lebte eine tapfere Frau, die ihr Leben den Ärmsten der Armen verschrieben hatte und mehr über Armut wusste als die meisten anderen Menschen. Sie sagte: „Die schlimmste Armut ist Einsamkeit und das Gefühl, unbeachtet und unerwünscht zu sein.“ Traut euch, aufeinander zuzugehen, wenn ihr merkt, dass ihr es alleine einfach nicht mehr schafft – selbst wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt, die ihr braucht. Seid euch nicht zu schade dafür. Es gibt viele Menschen, die froh sein würden, endlich nicht mehr allein kämpfen zu müssen.

Ich habe in diesem langen Gespräch viel über Veränderungen gesprochen und weiß, dass es nicht leicht ist, diese Veränderungen herbeizuführen. Aber es geht nicht nur um tun oder nicht tun, sondern auch darum, sich mit neuen Ideen zu beschäftigen und sie zu diskutieren. Nur so gelangen Visionen nach und nach ins allgemeine Bewusstsein und können gewaltfrei Wirklichkeit werden – irgendwie... irgendwann. Spiele beherzt deine Rolle im großen Theaterstück des Seins und schreite mutig durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens. Niemand geht verloren und niemand ist allein. Gehe aufrecht wie die Bäume, lebe dein Leben so stark wie die Berge, sei sanft wie der Frühlingswind, bewahre die Wärme der Sonne im Herzen, und der Große Geist wird immer mit dir sein.

- Ende -

 

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