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Wenn der Wald spricht 2 - Kapitel 05

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Wenn der Wald spricht... 2

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2013)


Hörbuch 2013. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

5. Kapitel: Inspiration

Für jeden ist Platz auf der Spielwiese der Kreativität. Denn nicht dein Talent macht dich zum kreativen Menschen, sondern deine Einstellung zu deinem Tun – ganz gleich, welcher Tätigkeit du nachgehst. Auch ein Friseur, Koch oder Handwerker kann seine Arbeit als hohe Kunst verstehen. Und er wird darin erfolgreich sein, da er mit dieser Einstellung Energie freisetzt und offen wird für die Inspiration. Das Wort „Inspiration“ ist ein sehr altes Wort und bedeutet „Beseelung“ oder „Einhauchen von Geist“. Du erhältst feinstoffliche Unterstützung, die sich darin äußert, dass du für eine gewisse Zeit ein Stückchen über deine gewöhnlichen Fähigkeiten hinauswächst. In welchem Maße, hängt davon ab, wie weit du dich öffnen kannst, wie sehr du dich selbst und deine Absichten beim Schöpfen zurücknehmen kannst, damit diese unsichtbare Quelle wirken kann.

Inspiration ist eine Form der Hellsicht, der Durchlässigkeit. Entgegen allgemeiner Auffassung handelt es sich in diesem Fall nicht um eine Gabe, die du hast oder nicht hast, sondern um einen Zustand, den jeder herbeiführen kann.

Es geht darum, etwas durchzulassen, indem du vorher etwas beseitigst, das blockiert. Zum Beispiel dein Ego, deine Erwartungshaltung, deine Versagensangst oder deine Ungeduld. Der Künstler ringt nicht mit seinem Werk, sondern mit dem, was ihn daran hindert. Je mehr du krampfhaft versuchst, die Inspiration zu hören, desto weniger hörst du sie, weil du durch das Erzwingen innerlich laut wirst. Stell dir vor, du fährst auf einem Fluss. Die Strömung des kreativen Schaffens trägt dein Boot in die richtige Richtung und du brauchst nichts weiter zu tun, als der Richtung zu vertrauen. Das Wasser plätschert leise vor sich hin und du hörst die Stimme der Inspiration. Sie steht am Flussrand und leitet dich hin und wieder sanft mit ihren Impulsen dazu an, leicht die Richtung zu korrigieren, um Felsen oder Treibgut auszuweichen. Aber sobald sich dein Ego, deine Erwartungshaltung, deine Versagensangst oder deine Ungeduld zur Wort meldet und dir sagen will, dass du mehr leisten oder schneller vorankommen sollst, beginnst du zu rudern, anstatt dich einfach voller Offenheit und Hingabe weiter treiben zu lassen. Die Ruder platschen ins Wasser und übertönen die leise Stimme der Inspiration am Flussufer. Du verlierst deine Gelassenheit und beginnst, näher ans Flussufer zu rudern, damit du die Stimme der Inspiration lauter hören kannst. Dabei müsstest du einfach nur die Ruder wieder zur Seite zu legen und still werden. Stattdessen beachtest du den Fluss gar nicht mehr, sondern suchst hartnäckig die Inspiration. Vor lauter Unachtsamkeit kollidiert dein Boot im Wasser mit allerlei Hindernissen und du bist blockiert. Verärgert beschließt du, das Boot am Ufer abzustellen und zu Fuß nach der Inspiration zu suchen. Und schon bist du nicht mehr im Fluss.

Nur wo Gelassenheit und Hingabe Wurzeln schlagen, macht Gott einen Baum daraus. Gelassenheit ist deine innere Ruhe beim kreativen Schaffen – ein Geschehenlassen des schöpferischen Prozesses ohne Erwartungshaltung, während du dich von der Strömung im Fluss treiben lässt. Hingabe ist die Liebe zu deinem kreativen Schaffen – zu dem Geschenk, das du den Menschen machen willst. Bist du hingegen kreativ, nur um etwas Besonderes zu sein oder dir selbst etwas zu beweisen, verlierst du deine Gelassenheit und Hingabe. Dann erschaffst du nicht liebevoll ein Geschenk, sondern ein Bildnis in ruhmvoller Pose von dir selbst. Du bist dann mit deiner Aufmerksamkeit nicht mehr im Fluss, sondern gedanklich schon am Ende deiner Reise angelangt.


Hab Vertrauen in deine kreative Reise, auch wenn du nicht weißt, wann die Inspiration mit dir zu sprechen beginnt. Einer eurer berühmtesten Maler des letzten Jahrhunderts stellte fest: „Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden“. Wenn du dich nur ein bisschen treiben lassen willst, ohne wirklich am Ziel ankommen zu wollen, sieht die Inspiration vielleicht keinen Grund, das Gespräch mit dir zu suchen. Setze dir ein konkretes kreatives Ziel, nimm dir Zeit, fasse Mut und steige dann einfach ins Boot. Den perfekten Augenblick für den Beginn deiner Flussfahrt gibt es nicht. Verschwende daher keine Zeit mit Grübelei. Egal, was dich am Ziel deiner Reise erwartet: Du wirst während der Fahrt mehr über dich selbst erfahren, schließlich hast du deine Aufmerksamkeit nach Innen gerichtet. Aufmerksamkeit ist Energie. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf nichts Bestimmtes im Außen lenkst, fließt die Energie oftmals nirgendwohin. Richtest du sie hingegen zielgerichtet nach innen, um die Inspiration zu hören, dann verlierst du die Energie nicht. Sie wandert in das von dir Erschaffene, das ein Teil von dir ist. Und je mehr du beginnst, deine innere Welt zu erforschen und Freundschaft mit der Inspiration zu schließen, desto unwichtiger werden dir all die Dinge im Außen, mit denen du nicht einverstanden bist. Du wirst freier von den Verstrickungen und Anhaftungen, da du dir in deinem Inneren deine eigene Welt erschließt. Diese Entdeckungsreise ist wichtiger als der kreative Erfolg im Außen.

 

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