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Wenn der Wald spricht 2 - Kapitel 04

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Wenn der Wald spricht... 2

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2013)


Hörbuch 2013. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

4. Kapitel: Kreativität

Früher konnten nur wenige Menschen kreativ sein und Schönes erschaffen oder sich an schönen Dingen erfreuen. Viele waren nicht einmal des Lesens und Schreibens kundig. Dennoch gab es schon immer Menschen, die mit ihren Werken das Unaussprechliche der Geistigen Welt in die Irdische Welt getragen haben. Kunst war Alchemie, Kunst war die Veredelung der materiellen Welt. Schon in uralten Zeiten wurden aus toten Knochen Flöten gebaut, aus kantigen Felsen zarte Skulpturen, und später aus grobem Holz filigrane Geigen. Künstler haben die Menschen in rauen Zeiten daran erinnert, dass die Schöpfung auch schöne Dinge bereithält. Kirchen waren Oasen, in denen die Gläubigen für eine kurze Zeit die grobe Welt zurücklassen und eine Ahnung des Feinstofflichen erhaschen konnten. Und wer reich war, konnte mit dem Kauf von verzierten Gegenständen aus mühsamer Handarbeit auch seinen Alltag von der Schönheit erhellen lassen.

Kunst war in früheren Zeiten also sehr nach außen gerichtet. An diese Stelle ist heute die persönliche Kunst getreten. Der technische Fortschritt hat euch unzählige Werkzeuge an die Hand gelegt und Rahmenbedingungen geschaffen, damit sich jeder ausdrücken kann. Niemandem bleibt es heutzutage verwehrt, schöpferisch tätig zu werden, und immer mehr vor allem junge Menschen tun dies bereits mit großer Selbstverständlichkeit. Sie feiern ihre Individualität und Lebendigkeit.

Die Kunst wird dadurch immer mehr zur Visitenkarte der Persönlichkeit. Sie verbindet Menschen und gibt ihnen die Möglichkeit, sich gegenseitig durch das Erschaffene tief in die Seele zu blicken. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Tätigkeiten geht es bei der Kunst nicht darum, wohin dein Handeln letztlich führt, sondern was es darüber aussagt, wer du bist. Und so wird das kreative Schaffen immer mehr zu einem festen Bestandteil eurer Identität, die ihr dadurch veredelt, dass ihr eine engere Beziehung zu euch selbst aufbaut. Jeder einzelne entscheidet, welche Aspekte seines Wesens er ergründen und nach außen tragen will. Das kreative Erschaffen ist also eine Entscheidung – eine Wahl, die es zu treffen gilt. Aus diesem Grund verwendeten die Menschen im alten Rom für „erschaffen“ und „wählen“ das gleiche Wort, von dem sich heute euer Wort „Kreativität“ ableitet.

Oft fördert die Kunst nicht nur den Ausdruck der Individualität, sondern verbindet mehrere Individuen miteinander, um ein größeres Ganzes hervorzubringen. Menschen finden sich zusammen und erschaffen gemeinsam ein Werk – ist der Inhalt auch noch so trivial. Es muss nicht immer um die Botschaft gehen. Vielleicht ist die kollegiale und freudvolle Zusammenarbeit das, was hier gelernt und ausgelebt werden will.

Bringt euch in die Welt ein – mit Worten, Taten, Klang und Bild. Jeder aus der inneren Welt gehobene Schatz bereichert euch, ohne Unmengen von Rohstoffen zu verbrauchen, eure Umwelt zu belasten oder anderen zu schaden. Schließlich handelt es sich dabei in erster Linie um ein geistiges Geschenk.

Ein Geschenk, das ihr weiterreicht, denn der Schöpfer hat euch mit der Gabe beschenkt, selbst Schöpfer zu sein. Auch wenn du nur ein kleines Werk erschaffst, bist du wie der Schöpfer, der eine Blume erschafft. Und wie Bienen, die auf der Suche nach Nektar von Blüte zu Blüte fliegen, zieht es euch Menschen von einem erschaffenen Werk zum nächsten, mit der Hoffnung, dort etwas zu finden, das euch bereichert. Manch einer wird von deinem Werk inspiriert und selbst kreativ. Dann trägt er die Samen deiner Blume woanders hin, auf dass dort neue Blumen wachsen können und sich noch mehr Menschen daran erfreuen. Vielleicht wird die Welt irgendwann aus unzähligen Schöpfern, Blumen und Bienen bestehen. Dann habt ihr erkannt, dass die Erde genug für alle bereithält und jeder ein Leben in Frieden und Fülle führen kann.


Aber schon jetzt ist das kreative Schaffen Vorreiter eines neuen Verständnisses von Geben und Nehmen, da mit kreativem Gut weniger gehandelt wird als mit anderen Erzeugnissen. Es wird einfach genossen. Dies ist gegenwärtig für viele kreative Menschen eine schwierige Erfahrung. Ihre Aufgabe ist es, sich bewusst zu machen, dass Kreativität niemals ein Verlustgeschäft ist. Sie lernen, ihr geistiges Schaffen als Geschenk der Inspiration anzuerkennen, und dieses Geschenk auch ohne Ruhm und Reichtum an die äußere Welt weiterzugeben. Sie setzen damit die Weichen für eine neue Welt, in der jeder geistig etwas zu geben hat und gleichzeitig nimmt – sich gegenseitig befruchtend und inspirierend.

So verwandelt sich eure Welt immer mehr in eine Spielwiese, mit Blumen aller möglichen Farben und Gerüche, und niemandem, der sagt: „Diese Farbe gehört mir, dieser Duft gehört mir“ – auf dass die Blumen alle Menschen gleichermaßen erfreuen. Die Welt gehört dem, der sie genießt, und nicht dem, der sie besitzt.

Bringt auch die jungen Menschen dazu, in sich hineinzuhorchen. Und respektiert, was sie hervorbringen, anstatt sie immer nur zu Leistung und Effizienz zu ermahnen. Das ist sehr wichtig, denn sie werden in euren Breitengraden in eine Welt hineingeboren, die im Außen kaum noch Gestaltungsspielraum bietet. Schließlich ist der letzte Krieg mit alle seiner Zerstörung schon lange vorüber. Finden sie keinen kreativen Zugang zu ihrem Inneren und damit keine Möglichkeit, zu gestalten, neigen sie dazu, Dinge im Außen zu zerstören, weil sie die Endgültigkeit ihrer Welt nicht ertragen. Die Jugend von heute ist nicht schlechter als die jungen Menschen früher. Sie lebt lediglich in einer erstarrten Welt und sucht nach Möglichkeiten, sich zu spüren.


Und sorgt euch nicht, wenn ihre Kunst nicht gewaltlos ist. Gewalt auf künstlerischer Ebene ist ein Ventil, wenn keine echte Gewalt erfahren und gelebt werden kann. Der Gegenpol zum Frieden muss in der Welt der Dualität vorhanden sein, auch wenn er sich nicht im Außen in Form von Kriegen manifestiert. Die kreative Auseinandersetzung mit Gewalt erlaubt es euch, mit diesem Gegenpol in Berührung zu kommen. So könnt ihr ihn anschauen und nach einer gewissen Zeit wieder loslassen, ohne ihn am eigenen Leibe erfahren zu müssen.

Ganz gleich, ob lichtvoll oder dunkel, heiter oder betrübt, phantasievoll oder schlicht: Fördert das zu Tage, was tief verborgen in euch steckt und nur von der Kreativität ans Licht gebracht werden kann. Jeder von euch ist einmalig – du bist einmalig. Niemand kann das in die Welt bringen, was du in die Welt zu bringen vermagst. Das, woran du die Allgemeinheit teilhaben lassen kannst, schlummert nur in dir und an keinem anderen Ort des Universums. Weitere Gründe für die kreative Entfaltung muss es nicht geben, auch wenn dir die Stimme des Ehrgeizes vielleicht etwas anderes ins Ohr flüstert oder die Stimme der Mutlosigkeit dich gänzlich daran hindern will, kreativ zu werden.

 

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