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Wenn der Wald spricht 2 - Kapitel 03

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Wenn der Wald spricht... 2

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2013)


Hörbuch 2013. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

3. Kapitel: Schönheit

Seit Jahrhunderten wird die Welt immer funktionaler und effizienter. Die Schönheit, die die innere Welt sichtbar und die äußere Welt lebendiger macht, muss dabei immer mehr kühler, kalkulierter Zweckmäßigkeit weichen. Dadurch werden die Menschen immer mehr von ihrem Inneren abgeschnitten und ergeben sich dem Materialismus im Außen. Irgendwann erreichen sie jedoch einen Punkt, an dem sie das Außen nicht mehr ertragen. Dann ziehen sie sich umso mehr nach Innen zurück, da sich ihre Seelen in der Nüchternheit der äußeren Welt nicht mehr zuhause fühlen. Wer in sich geht und beginnt, die Schönheit in seinem Inneren zu ergründen, verspürt auch immer mehr das Bedürfnis, Schönheit im Außen zu erschaffen. Das Lichtvolle in eurem Inneren will sich zeigen, denn schöne Dinge haben eine warme Ausstrahlung. Sie wärmen euer Gemüt. Aber da es in euren Städten nicht mehr viel Erwärmendes gibt, seit grauer Beton und harter Stahl Einzug gehalten haben, sind viele Menschen kaltherzig und traurig. Das Grau im Außen erinnert sie an das Grau in ihrem Inneren, und nicht an ihre ebenfalls vorhandene Schönheit, Wunderbarkeit und Einzigartigkeit. Wie sollt ihr auch eure Einzigartigkeit entdecken, wenn alles um euch herum nur noch maschinell gefertigt wird? Früher waren selbst eure Bauwerke ein Zeugnis eurer Individualität. Heute zählt jedoch nur noch ihr praktischer Nutzen und die Ausstrahlung ist verlorengegangen. Selbst die Rohstoffe haben keine Ausstrahlung mehr, da sie bis zur Unkenntlichkeit zerkleinert und miteinander vermengt werden. Ihre natürliche Schönheit ist abhandengekommen und damit auch ihre Identität. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch immer mehr Menschen eine Identitätskrise erleben.

Auch in der Kunst haben Effizienz und Zweckmäßigkeit Einzug gehalten. Die bekanntesten Werke eurer Zeit bestehen aus einer so schnellen Abfolge von Bildern und Eindrücken, dass sie zwar eine umfassende und intensive, aber keine langanhaltende und tiefgreifende Wirkung entfalten können. Dadurch fällt es euch immer schwerer, unbewegten Schöpfungen der Schönheit wie Gemälden, Statuen und Gebäuden für längere Zeit eure Aufmerksamkeit zu widmen und sie so auf euch wirken zu lassen. Alle Eindrücke eurer Welt ziehen in unglaublich schneller Geschwindigkeit an euch vorüber und viele wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.

Die Natur kann euch ein großer Lehrmeister darin sein, dem Unbewegten, dem scheinbar Unspektakulären, wieder mehr Beachtung zu schenken und mehr Schönheit abzugewinnen. So werdet ihr wieder offener für Eindrücke, die mit geistiger und emotionaler Klarheit wahrgenommen werden. Sie bedürfen keiner Extreme, damit sie lebendig wirken.

Macht eure Welt schöner – nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen, zum Beispiel in Form von liebevoller Architektur. Schönheit ist manifestierter Geist, ihr durchgeistigt damit eure Realität. Tragt Geist in die Welt hinein und ihr werdet damit viel Gutes tun.


Die einfachste Form ist Lachen, denn auch Humor ist Schönheit. „Witz“ bedeutet eigentlich „reich an Geist“. Mit Humor könnt ihr selbst tragische Themen auf geistreiche Art aus ihrem starren Kontext lösen. Lacht so viel wie möglich, und lacht über alles, was ihr wollt, solange ihr niemanden damit verletzt. Es geht nicht darum, etwas ins Lächerliche zu ziehen oder zu verharmlosen. Es geht darum, auch mit Scham, Tabus oder Ehrfurcht behaftete Themen zu durchlichten und von ihrer Schwere zu befreien. Dadurch schafft ihr eine gesunde Distanz zwischen euch und dem Thema und könnt es sachlich betrachten. Ihr habt zu viel Respekt vor der Dunkelheit. Und genau dieser Respekt ist es, der euch als eine Form der Aufmerksamkeit für dunkle Kräfte öffnet. Lacht über die Dunkelheit. Lacht über Soldaten mit groteskem Stechschritt und über Diktatoren mit skurrilen Orden, anstatt Ehrfurcht zu haben. Man stelle sich vor, ein Maler hänge sich für jedes seiner Werke stolz einen goldenen Pinsel ans Gewand... Darüber zu lachen, heißt nicht, es nicht ernst zu nehmen. Wenn man aber über ein Thema nicht lachen darf, kann man ihm nicht in Freiheit begegnen. Man wird seines Rechts beraubt, es für sich sinnvoll einzuordnen. Mit dem Lachen setzt ihr konstruktive Energien frei, die Licht in die dunkelsten Momente eurer Existenz und Geschichte bringen. Wer viel lacht, bekommt Vertrauen in die Welt und fasst Mut für seine alltäglichen Aufgaben.

Schönheit macht das Leben jedoch nicht nur fröhlicher. Sie haucht den Dingen Leben ein und lässt so auch im Betrachter ein Gefühl von Lebendigkeit entstehen. Sie spendet Kraft und bringt dich in Berührung mit deiner Vollkommenheit. Denn während du das Schöne wahrnimmst und damit verschmilzt, nimmst du ausschließlich das war, was ist. Du vereinst dich mit dem Schönen und löst dich auf – für diesen Augenblick verschwinden all deine Ängste, Leiden und Unzulänglichkeiten, wie es auch bei der Liebe geschieht. Sie verhilft dir dazu, etwas oder jemanden als vollkommen anzusehen und letztendlich auch dich selbst, da du mit dem Geliebten oder Betrachteten eins wirst. Und je bewusster du wirst, je mehr Liebe du empfinden kannst, desto mehr Schönheit wirst du in der Welt wahrnehmen. Selbst eine trostlose Umgebung kann dann für dich schön sein. Sie darf einfach sein, und du darfst einfach sein – ohne Leistungsdruck, ohne Erwartungshaltung und ohne bestimmten Sinn. Schönheit braucht keinen Sinn, denn Sinn-lichkeit ist bereits Sinn. Sie muss sich nicht rechnen.

Wie kannst du deine Sinne für das Sinnliche, für die Schönheit, schärfen? Indem du demütig wirst. Richtig verstandene Demut macht dich nicht kleiner, sondern andere Dinge größer, als du sie bisher wahrgenommen hast. Du erkennst, dass du nicht über diesen Dingen stehst. Und wenn sie dir dann letztendlich größer erscheinen, sind sie für dich auch schöner. Demut zur richtigen Zeit wird dich mit äußerer Schönheit beschenken, und ihr vermeintliches Gegenteil, der Stolz, mit innerer Schönheit. Denn mit einem gesunden Maß an Stolz wertschätzt du dich selbst und siehst deine eigene Schönheit. Stolz und Demut im rechten Maße gehen also Hand in Hand.

Genieße auch die schönen Dinge der Vergangenheit, die deine Kultur und auch fremde Kulturen hinterlassen haben. Du kannst dich überall auf der Welt an den Schöpfungen eurer Vorfahren erfreuen und findest darin außerdem den Schlüssel für eure Einigkeit, da Schönheit verbindet. Sie bringt euch auf einen gemeinsamen Nenner und lässt eure Unterschiede verstummen.

Nehmt aber nicht nur die Schönheit von Dingen, sondern auch die Schönheit von Menschen wahr. Es ist nicht verwerflich, seine Schönheit zu zeigen und sich an seinem Körper und seiner Lebendigkeit zu erfreuen. Euer Problem ist nicht, dass ihr oberflächlich seid und euch schön findet, sondern dass viele von euch sich hässlich finden. Es mangelt an Schönheit im Außen, die euch an eure eigene Schönheit erinnert. Deswegen seht ihr auch an und in euren Mitmenschen eher das scheinbar Hässliche als das Schöne. Erkennt die schönen Seiten eines Menschen und ziert euch nicht, auch seine äußere Schönheit zu bestaunen. Viel zu lange habt ihr dies für verwerflich gehalten. Ihr habt euch zum Wohle des geistigen Wachstums mit dicken Klostermauern vor der Schönheit geschützt. Und immer noch habt ihr Angst davor, euch zumindest vorübergehend in ihr zu verlieren. Ihr lebt allerdings in einer Zeit, in der alle Aspekte des Lebens bewusst angesehen, verstanden und in euer Wesen integriert werden wollen. Dies ist ein Lernprozess, der für eine gewisse Zeit durchaus einen Mangel an Klarheit und innerem Frieden als Tribut einfordern kann. Aber je erfahrener ihr darin werdet, mit der Schönheit eines Menschen bewusster umzugehen, desto mehr kann sie euch mit eurer eigenen Vollkommenheit und Großartigkeit in Berührung bringen. Und vergesst nicht: Sie wurde von keinem geringeren Künstler als der Natur erschaffen und verdient ihren Platz in der Welt.

Um immer mehr Schönheit in dein Leben einzuladen, solltest du lernen, bewusster zu entscheiden, was du sehen, hören und sogar riechen willst. Es ist deine Wahl, womit du dich umgibst. Strebe jedoch nicht nur nach der Schönheit, die andere erschaffen haben, sondern schau in dich hinein und sieh nach, was dort Schönes sein könnte.

Was kannst du hinaus in die Welt tragen, um andere mit deiner Schönheit zu erfreuen? Das Genießen von Schönheit im Außen bringt dich in Berührung mit deiner eigenen Größe. Durch das Erschaffen von Schönheit hingegen lernst du sie erst richtig kennen. Du er-kennst, dass du wirklich groß und einzigartig bist. Diese Gewissheit ist das Geschenk, das du dir durch dein kreatives Schaffen selbst machen kannst.

 

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