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Wenn der Wald spricht 2 - Kapitel 01

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Wenn der Wald spricht... 2

von Stefan Hertrich (Hörbuch 2013)


Hörbuch 2013. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

1. Kapitel: Wahrheit

Ich freue mich, dass du hier bist, und möchte sofort beginnen. Es gibt viel zu erzählen – viel, und doch so wenig, denn für ein tiefes Verstehen bedarf es oftmals nur einfacher und weniger Worte. Ich möchte heute vor allem über Denkfehler sprechen, die euch auf eurem langen, aber aufregenden Lebensweg begleiten. Dies Betrifft nicht nur euer alltägliches Leben, sondern auch euren Prozess der Bewusstwerdung. Mancherlei Dinge werden unnatürlich überhöht, andere wiederum erhalten zu wenig Beachtung. Kein Wunder, gibt es doch in dieser Welt so viel zu sehen, zu übersehen, zu verstehen und misszuverstehen.

Dank eurer Kommunikationstechnologien wächst die Welt immer mehr zusammen und es bieten sich unzählige Möglichkeiten zum geistigen Austausch. Gleichzeitig löst ihr euch immer mehr aus starren Normen, sodass sich jeder einzelne von euch immer freier mit seiner Realität auseinandersetzen kann. Wahrheit wird nicht mehr als fertige Mahlzeit serviert, sondern jeder sucht sich seine Zutaten selbst aus. Kein Gericht schmeckt wie ein anderes und jeder geht damit anders um. Die einen lassen es sich einfach schmecken, die anderen versuchen, ihre Suppe bloß nicht zu versalzen. Und wieder anderen gefällt es nicht, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Sie suchen nach der „einen Wahrheit“. Doch was ist Wahrheit eigentlich?

Wahrheit ist das, was du als wahr annimmst – was du wahrnimmst. Das, was du wahrnimmst, ist aber stets deine ganz persönliche Sicht – schließlich siehst du mit deinen Augen, hörst mit deinen Ohren und fühlst mit deinem Herzen.
Du kannst noch so viel Wissen und geistige Klarheit in dir vereinen – dennoch siehst du die Welt nicht durch die Augen eines hungernden Menschen am anderen Ende der Welt. Und selbst wenn du es könntest: Niemand ist vor Täuschung sicher. Die Augen eines magersüchtigen Mädchens, das nur noch Haut und Knochen ist, sehen im Spiegel das Antlitz eines dicken Menschen. Und wer vor dem Fernseher sitzt, taucht emotional in geschickt inszenierte Momente ein, die sich nicht einmal wirklich ereignen. Aber ihr müsstet nicht einmal irgendwo hinsehen, um getäuscht werden. Denn tagtäglich inszenieren Ängste in eurem Kopf eine zukünftige Welt, die ebenso wenig real ist. Selbst wenn du frei von jeglicher Täuschung wärst: Du würdest nur einen Bruchteil der Wahrheit bewusst wahrnehmen können. Probiere es aus: Mache einen kleinen Spaziergang, sieh dich aufmerksam um und versuche, alles, was du siehst, beim Namen zu nennen. Schnell wirst du feststellen, dass es dir nicht gelingt. Selbst wenn du nur langsam spazieren gehst: Du siehst so viele Dinge, dass es unmöglich ist, sie alle zu benennen, bevor nicht schon die nächsten Eindrücke deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Du erlebst also nur einen winzigen Ausschnitt der Welt völlig bewusst – und zwar all das, was gerade für dich wichtig ist.

Versuche daher nicht krampfhaft, die eine Wahrheit zu finden, sondern akzeptiere, dass jeder von euch seinen eigenen Traum lebt. Und erkenne, dass sich der Wert dieses Traums nicht daran bemessen lässt, wie wahr er ist. Er ist und bleibt nur ein winziger Ausschnitt des Universums. Wichtig für dich sollte lediglich sein, wie gut deine Wahrheit funktioniert. Wie viel Energie setzt sie in dir frei, um deinen Alltag zu bewältigen? Wie beeinflusst sie dein Denken und Fühlen gemessen an der Freude und Liebe, die du empfindest? Wie viel Schaden verursachst du mit ihr – dir selbst und anderen gegenüber?

Diese Fragen solltest du dir immer wieder stellen, wenn du ein wahrhaftiges Leben führen willst. Es reicht nicht, sich diese Fragen nur einmal im Leben zu beantworten. Denn dein Leben ändert sich fortwährend und damit auch das, was für dich und deine Mitmenschen funktioniert. Gestatte es daher deiner Wahrheit, sich zu wandeln. Altes kann in einer sich stetig verändernden Welt nicht bestehen.
Deine Wahrheit ist wie das Rad einer Wassermühle, das sich permanent im Fluss der Zeit drehen muss. Würde sich das Rad nur sehr langsam drehen, wäre es nach einiger Zeit mit Moos überwuchert und mit Schlamm bedeckt. Es würde immer schwerfälliger werden, bis es sich irgendwann überhaupt nicht mehr dreht. Dann steht es still und deine Wahrheit ist zum Dogma erstarrt. Wer nach einem Dogma lebt, stützt sein Handeln auf das, was irgendwann einmal funktioniert hat – ohne zu überprüfen, ob es jetzt noch funktioniert.

Egal, wie dein Mühlrad aussieht und wie sehr es sich von den Mühlrädern anderer Menschen unterscheidet: Hauptsache, es dreht sich und mahlt Mehl – für dich und vielleicht auch für die Allgemeinheit. Es spielt keine Rolle, wie die Mühlräder deiner Mitmenschen aussehen. Jeder nimmt die Welt ohnehin aus einem anderen Blickwinkel wahr. Der Wissenschaftler interessiert sich dafür, welche Kräfte auf Mühlräder wirken, der Handwerker dafür, wie sie gefertigt werden, und der Künstler dafür, wie schön sie sind. Auch wenn eure Mühlräder noch so unterschiedlich sind: Durch alle fließt das gleiche Wasser. Das Wasser wird allerdings erst dann eure Aufmerksamkeit wecken, wenn im Laufe eurer Entwicklung die einzelnen Wahrnehmungsschichten der Mühlräder uninteressant geworden sind. Diese unterschiedlichen Wahrheiten müssen durchlebt und verstanden werden, bevor ihr sie hinter euch lassen könnt. Schicht um Schicht tragt ihr im Laufe der Zeit eine Sichtweise nach der anderen ab. Jeder Mensch steht bei diesem Prozess an einer anderen Stelle. Der eine mag die Illusion der Getrenntheit überwunden haben und ein durch und durch liebendes Wesen sein, das sich mit allen anderen Wassermühlenbesitzern verbunden fühlt, und dennoch schmücken sein Mühlrad veraltete Symbole starrer Religiosität. Ein anderer wiederum verkündet voller Stolz, jegliches Interesse an seiner Mühle verloren zu haben und nur noch über das Wasser zu philosophieren, verachtet aber alle anderen Mühlenbesitzer und trägt kein Mehl mehr zum Wohle der Allgemeinheit bei.

Achte daher einfach nur darauf, was für dich funktioniert, und akzeptiere die Wahrheit, die für andere funktioniert. Jeder Mensch findet irgendwann auf seine persönliche Weise Zugang zum Wasser. Der eine, indem er darüber philosophiert, der andere, indem er sich mit religiöser Symbolik hineinfühlt. Und ein dritter hat vielleicht alles verloren und wagt einfach den Sprung ins kalte Nass. Das schmerzvolle Scheitern war in seinem Fall rückwirkend betrachtet kein großes Unglück. Die Enttäuschung darüber hat diesem Menschen geholfen, die unterschiedlichen Wahrheitsschichten anzuschauen, durch den Akt des Ent-Täuschens als nicht praktikabel zu erkennen und schließlich aufzulösen.

Gegenwärtig bieten sich dir viele Gelegenheiten, auch die allgemeine Wahrheit eurer Zeit zu betrachten und auf ihre Funktionalität hin zu überprüfen. Wie praktikabel ist es, Kraftstoff auf scheinbar ökologisch bewusste Weise durch die Vernichtung von Pflanzen zu gewinnen, während andernorts die Menschen verhungern? Wie praktikabel ist es, Wildtiere zu töten, um das Gleichgewicht der Wälder zu wahren, während an gleicher Stelle abertausende Bäume gefällt werden? Wie praktikabel ist es, zum Wohle der Menschheit andere Lebewesen in Versuchslaboren leiden zu lassen, obwohl ihr Organismus völlig anders funktioniert als der eure?
Auf dieser Entdeckungsreise kann dir jede persönliche Erfahrung, jede zwischenmenschliche Begegnung und jede Zeile eines Buches dienlich sein.

Und fühle dich nicht entmutigt oder wertlos, wenn du nicht alles begreifst oder weißt. Würdest du für deine aktuelle Lebenssituation bestimmte Dinge wissen müssen, wüsstest du sie bereits. Und würdest du für deine Zukunft bestimmte Dinge wissen müssen, würdest du alles Nötige für den nächsten Schritt erfahren. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, und niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen
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