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Impulse aus der Geistigen Welt - Kapitel 12

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Impulse aus der Geistigen Welt

von Irina Yashina und Stefan Hertrich (Hörbuch 2014)


Hörbuch 2014. Als CD- oder Download-Version hier im Shop erhältlich.

 

12. Kapitel: Nachwort

Als ich offen wurde für wer-ich-wirklich-bin, hatte ich die denkbar schlechteste Ausgangsposition. Lass mich dir meine Geschichte erzählen. Wenn sie dir etwas Hoffnung gibt, freue ich mich.

Einst lebte ich als Holzfäller, weit draußen auf dem Lande. Eines Tages, als ich gerade tief im Wald einen großen Baum fällte, sah ich, wie sich eine Räuberbande näherte. Sofort ließ ich meine Axt fallen und eilte zu einer befreundeten Familie, die gleich in der Nähe wohnte. Ich warnte sie und half, das Haus mit Ästen zu tarnen. Mit Erfolg: Die Räuber sahen ihr Haus nicht und zogen weiter. Aber sie sahen meins, denn ich hatte keine Zeit mehr, mich um mein eigenes Hab und Gut zu kümmern. Sie plünderten alles, was nicht niet-und-nagelfest war, und steckten mein Haus in Brand. Da stand ich nun, völlig mittellos, und beschloss, den Wald zu verlassen. Ich wollte mein Glück in der nächsten Stadt versuchen. Ich kannte niemanden und hatte nichts, und so landete ich direkt auf der Straße. Glücklicherweise nahm sich eine ältere Frau meiner an und ich kam für eine Weile bei ihr unter. Sie arbeitete als Ärztin im Krankenhaus der Stadt. Nun ja, offiziell war sie nur Krankenschwester, aber wegen ihrer Fähigkeiten nannte sie jeder „die Ärztin“. Sie war sehr beliebt und konnte mich dort auch unterbringen. Also arbeitete ich fortan in diesem Krankenhaus – nicht als Arzt, ich war ja nur ein einfacher Holzfäller. Aber ich tat, was ich tun konnte: Ich putzte den Boden, half beim Verbinden der Kranken und sprach mit ihnen, wenn sie seelischen Beistand brauchten. Die Arbeit dort bereitete mir sehr viel Freude und ich war glücklich. Ich arbeitete sehr lange in diesem Krankenhaus und irgendwann hatte ich genug Geld, mir meine eigene Bleibe zu suchen.

Einige Jahre später verließ die Frau, die mich einst von der Straße geholt hatte, das Krankenhaus. Sie sagte, sie wolle als Privatärztin ihr Glück versuchen. Schließlich verloren wir uns aus den Augen. Einige Zeit später erfuhr ich jedoch, dass sie das Krankenhaus nicht freiwillig verlassen hatte. Der leitende Arzt hatte sie hinausgeworfen, um ihren Posten für seinen Freund freizumachen. Als ich das erfuhr, machte ich mir große Sorgen um sie. Daher entschied ich, in der Stadt nach ihr zu suchen. Und meine Sorgen waren berechtigt. Ich fand sie in einem erbärmlichen Zustand auf der Straße vor, völlig verarmt und am Verhungern. Leider hatte ich nicht genug Geld, um ihr auf gleiche Weise zu helfen, wie sie es einst getan hatte. Ich war verzweifelt und frustriert. Völlig aufgebracht beschloss ich, mich an dem Kerl zu rächen, der sie auf die Straße gesetzt hatte – zugegebenermaßen nicht gerade auf zimperliche Art und Weise. Als das erledigt war, versuchte ich zu stehlen, um der armen Frau zu helfen. Ich muss mich dabei ziemlich dumm angestellt haben, denn ich wurde sofort erwischt ... und landete auf direktem Weg im Gefängnis – zum Tode verurteilt für den Diebstahl und die zuvor verübte Rache.

Da saß ich nun und wusste, dass ich bald sterben würde. Ich weinte, weinte und weinte. Allein in einer Gefängniszelle, den Tod vor Augen ... es war wie Folter. Meine Hinrichtung rückte näher und ein Priester betrat meine Zelle. Er erzählte mir die altbekannte Leier über Sünden, Gott und Vergebung. Anschließend verließ er die Zelle und der Wärter schloss die Zellentür. Plötzlich sagte der Wärter: „Nimm ihn nicht ernst. Für mich bist auch du Gott.“ Diese Worte trafen mich mitten ins Mark. Der Priester hatte von Sünden, kleinen Menschlein und Vergebung durch einen gnädigen, allmächtigen Gott gesprochen, und dann DAS. Nein, der Wärter war kein erleuchteter Meister im Gewand eines Kerkermeisters. Er hatte lediglich Mitgefühl. Denn er kannte meine Geschichte und wusste, dass ich meine Verbrechen nur begangen hatte, um zu helfen und für eine Ungerechtigkeit Rache zu nehmen. Er sagte also diese Worte, ich blickte in sein Gesicht ... und dann verstand ich. Er war der Sohn der Familie, der ich vor vielen Jahren im Wald geholfen hatte. So viele Dinge gingen mir nun durch den Kopf. Ich begann, darüber nachzudenken, was an meinem Leben göttlich sein könnte, immerhin saß ich als verurteilter Verbrecher in einer Gefängniszelle. Ich dachte über die Beweggründe nach, die mich stets durch mein Leben geführt hatten und letztlich auch an diesen Ort. Da verstand ich, dass ich mein ganzes Leben immer nur eines wollte: helfen. Und ich verstand, dass ich damit jeden Menschen berührt hatte, auch wenn meine Hilfe manches Mal vergebens gewesen war. Doch was tat der Priester? Er sah in mir lediglich einen Sünder. Und ich konnte ihm dafür nicht einmal böse sein. In diesen Zeiten war das religiöse Weltbild nun einmal voller Schuld und Scham. Aber für den Gefängniswärter war ich kein Sünder, sondern ein göttliches Wesen. Und diese Einsicht löste eine wahre Kettenreaktion aus. Ich verstand, dass viele Dinge nicht immer so negativ gewesen waren, wie sie für meinen Verstand schienen. Zum Beispiel damals im Wald: Ich hatte all mein Hab und Gut verloren, aber es war genau das, was ich in dieser Lebenssituation gebraucht hatte. Warum? Die Arbeit als Holzfäller hatte mich nie wirklich glücklich gemacht. Und die Plünderung war der perfekte Anlass gewesen, alles hinter mir zu lassen – um zu werden, wer-ich-wirklich-bin: ein Mensch, der anderen Menschen hilft. Und das Krankenhaus in der Stadt war dafür der perfekte Ort. Die Arbeit dort hatte mich glücklich gemacht. Aber wäre der hinterhältige Raubzug im Wald nicht gewesen, hätte ich nie an meinen Bestimmungsort gefunden. Ich hätte nie den Mut aufgebracht, alles hinter mir zu lassen und in die Stadt zu ziehen.

All die Jahre im Krankenhaus war ich nicht zu dieser Einsicht gekommen. Aber nun, ausgerechnet in der Zelle eines Gefängnisses, erkannte ich, dass jeder Augenblick des Lebens einen tieferen Sinn hat. Ich war auf die perfekten Menschen getroffen und in die perfekten Schwierigkeiten geraten, um letztendlich an diesem Ort zu landen und die größte Offenbarung aller Offenbarungen zu erhalten: Dass das Leben perfekt ist und dass jeder Moment ein Akt des Vertrauens und der Dankbarkeit sein kann. Zwar saß ich in dieser trüben Zelle, den Tod vor Augen, doch niemals sah ich so klar wie in diesem Augenblick. Ich wollte immer helfen, aber warum? Weil ich vollkommen war. Weil ich alles stets in mir hatte: all die Freude und Liebe. Ja, ich war vollkommen, ich war göttlich. Bereits im Wald war ich vollkommen, als ich den Nachbarn zu Hilfe geeilt war, um ihr Hab und Gut zu retten. Im Krankenhaus war ich vollkommen, als ich für all die Kranken und Gebrechlichen da gewesen war. Und auch nun, in der Gefängniszelle, war ich dank meiner Einsichten vollkommen. Zum ersten Mal war ich mir dieser Vollkommenheit bewusst. Und so war ich nun voller Vertrauen und Dankbarkeit. Ich wusste, dass meine Vergangenheit und Gegenwart perfekt waren. Daher zweifelte ich nicht im Geringsten daran, dass auch der Rest meines Lebens – wie kurz er auch sein möge – perfekt sein würde. Und auch das, was jenseits davon kommen möge. Ich wusste, dass ich nur noch wenige Stunden zu leben hatte, aber diese Stunden bedeuteten mir mehr als mein ganzes Leben zuvor. Selbst meinen Henkern dankte ich, als der Moment gekommen war, und sie hatten Tränen in den Augen. Mit dieser Geste half ich auch ihnen, in Berührung mit ihrer Vollkommenheit zu kommen.

Ja, ich wollte immer helfen und tat mein Bestes – bis zum letzten Augenblick meines Lebens und nun darüber hinaus. Als Engel, wenn man es so nennen will. Aber man muss dafür kein Engel sein. Tatsächlich hilft jeder von euch, bewusst oder unbewusst. Eltern helfen ihren Kindern, erwachsen zu werden. Lehrer helfen ihren Schülern, Wissen zu erlangen. Krankenschwestern helfen ihren Patienten, wieder gesund zu werden. Selbst Menschen, die vieles falsch machen, helfen ihren Mitmenschen. Denn diese erfahren dadurch, wer-sie-nicht-sein-wollen. Eine Welt voller Geben und Nehmen ist keine Utopie. Denn wie die eben genannten Beispiele zeigen, helft ihr euch die meiste Zeit – nur merkt ihr es nicht. Ihr denkt vielleicht, dass ihr einfach nur euren Job macht. Aber wenn ihr Brot backt oder Schornsteine fegt, erweist ihr anderen einen Dienst – ganz gleich, ob ihr damit Geld verdient oder nicht.

Sobald das Tor zu deiner Seele offen ist, wirst du verstehen, dass Helfen ganz natürlich ist und ausdrückt, wer-du-wirklich-bist. Dann wirst du es nicht mehr nur unbewusst tun, sondern es wird dir viel Freude und Liebe bereiten. Du wirst das Vertrauen haben, dass dich das Helfen, das Geben, am Ende nicht mit leeren Händen dastehen lässt. Und nach einer Weile wirst du nicht einmal mehr vertrauen müssen. Denn du wirst die Erkenntnis erlangt haben, dass das Geben dir wirklich nichts nimmt. Dann wirst du dankbar dafür sein, wie perfekt das Universum funktioniert, wenn du es dir nur erlaubst, wahrhaftig als wer-du-wirklich-bist zu leben. Und sobald du das erreicht hast – sobald du voller Freude, Liebe, Vertrauen, Erkenntnis, Dankbarkeit und Wahrhaftigkeit bist, gibt es nichts mehr für dein Ego zu erstreben. Dann kannst du selbst in einer Gefängniszelle glücklich sein.

Ich hoffe, dieses Gespräch hat dir ein wenig geholfen, offener für die Impulse deiner Seele zu werden. Der persönlichen Entwicklung sind keine Grenzen gesetzt, ebenso wenig der Freude, der Liebe und all den anderen Dingen, über die ich gesprochen habe. Nun liegt es bei dir, deinem geduldigen Besucher die Tür zu öffnen. Egal wann, egal für wie lange. Er ist immer da, wenn du ihn brauchst, und wartet voller Freude darauf, dich an der Hand zu nehmen ... auf dem Weg zu wer-du-wirklich-bist.

 

- Ende -

 

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